Beate-Naroska-Gastprofessorenreihe„Mach weiter so, tu, was du liebst und schau, wohin es dich führt“Im Gespräch mit Chayanit Asawatangtrakuldee – Beate Naroska Junior-Gastprofessorin 2026
2. September 2026

Foto: UHH/Fuchs
"Ich glaube, dass Wissenschaftlerinnen heutzutage mehr Möglichkeiten und mehr Plattformen haben, auf denen sie ihr Talent unter Beweis stellen und der Welt zeigen können, was sie leisten", sagt Chayanit Asawatangtrakuldee, die diesjährige Beate-Naroska-Junior-Gastprofessorin. Vor kurzem traf sich Quantum Universe mit ihr, um über ihren Werdegang in der Wissenschaft und vieles mehr zu sprechen.
Können Sie sich einmal vorstellen?
Mein Name ist Chayanit Asawatangtrakuldee. Ich bin Assistenzprofessorin am Fachbereich Physik der Chulalongkorn-Universität in Bangkok, Thailand. Derzeit bin ich Beate-Naroska-Junior-Gastprofessorin im Rahmen des Quantum Universe-Programms an der Universität Hamburg.
Wie würden Sie Ihre Forschung in wenigen Sätzen beschreiben?
Mein Fachgebiet ist die Teilchenphysik. Im Rahmen des CMS-Experiments am CERN suche ich nach weiteren Higgs-Bosonen jenseits des Standardmodells. In jüngerer Zeit habe ich mein Interesse auch auf die Neutrino-Physik ausgeweitet. In beiden Fällen versuche ich eigentlich dieselbe Frage zu beantworten: Was wissen wir noch nicht über das Universum?
Können Sie uns etwas über Ihren akademischen Werdegang erzählen?
Während meiner Schulzeit erhielt ich ein Stipendium von Ihrer Königlichen Hoheit Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn, das mir die Möglichkeit gab, Physik an der Peking-Universität in Peking zu studieren.
Insgesamt verbrachte ich dadurch zehn Jahre in China. Für meine Promotion ging ich für drei Jahre zum CERN, um mit der CMS-Kollaboration zusammenzuarbeiten.
Danach begann ich 2016 als Fellow bei DESY. Drei Jahre später kehrte ich nach Thailand zurück und wurde Assistenzprofessor an der Chulalongkorn-Universität, wo ich bis heute tätig bin.
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten?
Es gibt zwei Dinge, die mir an meiner Arbeit besonders viel Freude bereiten: die Forschung und die Lehre.
Was die Forschung angeht, finde ich es sehr spannend, dass wir uns mit realen Daten beschäftigen und versuchen herauszufinden, ob es in der Natur etwas gibt, das wir noch nicht verstehen. Manchmal dauert das sehr lange, aber es besteht immer die Möglichkeit, dass man etwas Neues entdeckt.
Auch das Lehren macht mir sehr viel Spaß. Als ich selber noch eine junge Forscherin war, hatte ich nicht viel Kontakt zu Studierenden. Aber wenn man anfängt zu unterrichten, muss man an die Studierenden denken und darüber nachdenken, ob sie wirklich verstehen, wovon man spricht. Das finde ich sehr interessant, denn dadurch denkt man auch darüber nach, wie gut man selbst die Physik versteht.
Sie haben viele Jahre außerhalb Thailands verbracht. Wie hat diese internationale Erfahrung Sie als Wissenschaftlerin und Betreuerin geprägt?
Ich war etwa 14 Jahre lang im Ausland. Ich habe Menschen aus vielen verschiedenen Kulturen kennengelernt und ich glaube, das hat mich viel anpassungsfähiger in vielen Bereichen gemacht.
Die Arbeit in großen Kooperationsprojekten macht sehr viel Spaß. Man trifft Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und muss lernen, wie man mit ihnen kommuniziert und kollaboriert. Man entwickelt Fähigkeiten zur Zusammenarbeit und erkennt, dass Menschen sehr unterschiedliche Denkweisen haben und ein und dasselbe Problem auf ganz verschiedene Weise angehen können.
Ich glaube, diese Erfahrung hilft mir auch im Umgang mit meinen Studierenden, denn ich kann ihnen vermitteln, wie es außerhalb Thailands aussieht und ihnen einige der Fähigkeiten beibringen, die ich im Laufe der Jahre im Ausland erworben habe. Außerdem hat es mir geholfen, mein eigenes Forschungsteam in Thailand aufzubauen und jüngere Studierende anzuleiten, die gerade beginnen, in internationalen Kooperationen mitzuarbeiten.
Welche Vorteile bringt die Beate-Naroska-Gastprofessur für Sie?
Ich halte dies für eine sehr bedeutungsvolle Anerkennung für Physikerinnen in diesem Fachgebiet. Es gibt einem eine Art „Anschub“, bei dem man sich sagen kann: „Okay, was du bisher geleistet hast, ist großartig. Jetzt mach einfach weiter.“
Es gibt immer noch nicht viele Programme wie dieses, die Wissenschaftlerinnen würdigen und gleichzeitig Räume schaffen, in denen sich Wissenschaftlerinnen miteinander vernetzen können. Ich halte dieses Programm in beiden Punkten für hervorragend.
Für mich persönlich bietet es zudem die Gelegenheit, mehr Zeit für die Forschung zu nutzen, mich hier mit anderen auszutauschen und wieder Kontakt zu meinen Kooperationspartnern in Hamburg aufzunehmen. Einige dieser Gespräche haben bereits zu neuen Forschungsideen und Kooperationen geführt, die auch nach meiner Rückkehr nach Thailand fortgesetzt werden können.
Gibt es etwas, das Sie während Ihres Aufenthalts in Hamburg erreichen möchten?
Ich möchte meine Zeit hier sowohl für die Forschung als auch dafür nutzen, neue Kontakte zu knüpfen. Es ist eine gute Gelegenheit, Ideen auszutauschen, verschiedene Forschungsthemen zu diskutieren und neue Kooperationen anzustoßen. Ich hoffe außerdem, dass einige dieser Kontakte dazu beitragen können, das Forschungsteam, das ich in Thailand aufbaue, zu stärken und meinen Studierenden mehr Möglichkeiten für internationale Zusammenarbeit zu eröffnen.
Außerdem macht es mir Spaß, von Studierenden mit nicht-thailändischem Hintergrund zu lernen. Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, mit einigen Teilnehmern und Teilnehmerinnen einer Summer School zu sprechen, und es war sehr schön zu sehen, dass Studierende aus aller Welt so viele Gemeinsamkeiten haben. Sie sind voller Leidenschaft und wollen lernen. Es ist ein sehr bereicherndes Gefühl zu wissen, dass die Vorschläge oder Ratschläge, die man ihnen gibt, ihnen in Zukunft nützlich sein können.
Haben Sie einen Rat für junge Nachwuchswissenschaftlerinnen in der Physik, die sich hinsichtlich ihrer nächsten Schritte unsicher sind?
Ich würde jungen Physikerinnen sagen, dass es in dieser Welt immer noch viele Möglichkeiten gibt, sich zu profilieren. Früher war das wahrscheinlich anders, aber ich glaube, dass Wissenschaftlerinnen heutzutage mehr Möglichkeiten und mehr Plattformen haben, auf denen sie ihr Talent unter Beweis stellen und der Welt zeigen können, was sie leisten
Was auch immer ich erreichen konnte, verdanke ich der Unterstützung, die ich von Ihrer Königlichen Hoheit erhalten habe. Sie hat der jüngeren Generation viele Chancen eröffnet und viel Zeit darauf verwendet, die Bildung in Thailand zu fördern.
Das ist etwas, was auch ich tun möchte. Ich bin jemand, die viele Chancen erhalten hat, und ich möchte der nächsten Generation die gleichen Chancen bieten.
Ich sage meinen Studierenden gerne: Macht weiter so, tut das, was ihr liebt, und schaut, wohin es euch führt.

